Ein paar Fragen...

Die kreative, lust- und liebevolle Beschäftigung mit dem Wohnen und Einrichten scheint in Österreich keine große Tradition zu haben; anders, als in skandinavischen Ländern (wo dem Innenraum offenbar eine andere Wertschätzung zukommt - möglicherweise, weil eine um einiges längere Zeit im Jahr dorthin konzentriert ist...), erfüll(t)en "Wohnräume" (und alles, was dran hängen muss) hauptsächlich Funktionen, bieten/boten das erforderliche Umfeld und Equipment für Schutz, Ver- und Entsorgung, Aufbewahrung, Wirtschaftlichkeit, ...;

In den letzten Jahren, aber, hat die Branche der (Einrichtungs-)"Berater/innen" (wie die vieler "Berater/innen") einen bemerkenswerten Aufschwung genommen, wer sich nicht beraten lassen möchte, greift vielfach selber zu Ratgebern (Bücher, Zeitschriften, etc) und Kursen, die helfen sollen, das eigene Wohn- und Lebensumfeld "gestalten" zu können: "man" möchte "lernen", wie "man" ein Einrichtungs-/Gestaltungsthema selber bearbeiten kann:

Häufige Frage: Welche Farbe ist für (m)ein Esszimmer geeignet? (Anm.: Orange wirkt "angeblich" appetitfördernd) ;-)
Auch oft gehört: Darf ich alte und neue Möbel mischen?
Und einige(s) mehr.

Die Fragen sind richtig und berechtigt!

Ich glaube aber, sie setzen an problematischen Punkten an:
Natürlich "darf man" alte und neue Möbel mischen - grundsätzlich.
Natürlich isst es sich in Sonnengelb eher fröhlich als in Aschgrau - no na.
Was hier nicht bearbeitet wird, ist die viel grundlegendere, aus meiner Sicht, viel wichtigere Frage: was soll die Gestaltung/der gestaltete Raum für mich tun?

Die einzig legitimen Antworten auf Fragen wie die oben genannten, "Im Prinzip ...", können dem Frager/der Fragerin keine echte Hilfe sein!
Der/die Gefragte müsste mit einer Gegenfrage antworten: "Was soll's denn für Sie/Dich machen? Welcher Rahmen, welcher Hintergrund für Ihr/Dein Leben soll geschaffen werden? Wie wollt Ihr Euch fühlen, in der zu gestaltenden Situation - "heimelig", "glamourös", "cool", "souverän", "wie im Urlaub", "als erfolgreiche Geschäftsleute", ...?

Ich bin überzeugt, erst, wenn diese Fragen bearbeitet werden können, und bearbeitet worden sind, können Überlegungen zu Umsetzung, zur REALISIERUNG (=Ver-wirklich-ung) angestellt, Entscheidungen getroffen und Schritte unternommen werden!

Was heißt das nun?
Na, ja, ich befürchte, es sollte zuerst intensiv nachgedacht, formuliert, reflektiert, diskutiert, fantasiert, gespielt werden, vielleicht auch gezeichnet - ohne jeden Gedanken an wirtschaftliche und technische Umsetzungshindernisse!

"Was wünscht Ihr Euch?", muss die Frage sein. Das ist eine gute Nachricht! Denn, am Anfang geht es um etwas, das jeder Mensch kann: Träumen! Zugegeben, Kinder können's oft besser, also, lassen wir uns mitnehmen!
Spielen wir einmal durch, wie wir uns in einer All-Over-Werkstatt oder einem pink Prinzessinnen-Schloss, oder dem völlig unauffindbaren und unleistbaren Loft in Manhattan fühlen würden! Sprechen wir aus, was wir uns seit langer Zeit verkneifen ("das würd' ich schon so lang so gern durchspielen, aber, das ist so peinlich...")

Und dann schauen wir uns an, was diese Stimmungen ausmacht: ob es das ölverschmierte, rohe, "typisch männliche" (??!!??), der Asphaltboden ist, oder, ob es der (quadratische?) Steinplattenboden und die hohen Fenster, oder die Ziegelwand und die Gusseisenstützen im unverstellten Raum (oder vielleicht "Ghost - Nachricht von Sam"?) sind, die diese Wunsch-Assoziationen auslösen und verkörpern!

Dann können wir auswählen! Vielleicht wird es im realisierten Wohnraum keines dieser Elemente geben, vielleicht finden wir in der Übersetzung "Synonyme", die besser zu verwirklichen sind, aber, wie auch immer der gestaltete Raum dann aussieht, wir werden wissen - und spüren - dass wir dem Wesen unserer Wünsche näher gekommen sind und viel Neues über uns und unsere Beziehungen gelernt haben!